Das grosse Krabbeln hat begonnen – die Zecken sind wieder aktiv! Die Zeckensaison geht normalerweise von März bis Oktober, Abweichungen können sich jedoch je nach Wetterlage ergeben. Ab einer Temperatur von etwa 8 – 10 Grad Celsius werden die kleinen Spinnentiere aktiv, so dass sie auch in milden Wintern vorkommen können. Ihre Wohlfühltemperatur liegt zwischen 17 – 20 Grad Celsius bei hoher Luftfeuchtigkeit – hier laufen sie zur Höchstform auf!
Holzbock, Auwaldzecke und die braune Hundezecke sind beim Hund die wichtigsten Zeckenarten. Holzböcke kommen bevorzugt in Wäldern mit dichtem Unterholz und angrenzenden Lichtungen vor. Der komplette Entwicklungszyklus dauert meist 2 -3 Jahre und ohne Blutaufnahme können Holzböcke bis zu einem Jahr überleben. Auwaldzecken findet man in Auwäldern, also in der Nähe von Flüssen. Weitverbreitet ist sie vor allem in Südeuropa. In Deutschland findet man sie an Rhein, Donau und Elbe. Die braune Hundezecke hat ihr Vorkommen in warmen Länder (Mittelmeerraum) und kann sich in Deutschland aufgrund des kälteren Klimas nur in geheizten Räumen vermehren. Ohne Blutaufnahme kann die braune Hundezecke bis zu eineinhalb Monate überleben.
Alle Zecken durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien. Das erste Entwicklungsstadium ist die sechsbeinige Larve, die aus dem Ei schlüpft und ca. 1 – 3 Wochen in der Umgebung des Eihaufens bleibt, bis ihre äußere Haut hart und pigmentiert ist. Die Larven des Holzbocks und der Auwaldzecke befallen Mäuse oder Vögel, an denen sie drei Tage Blut saugen bevor sie vollgesogen abfallen und sich nach 1 – 2 Monaten zur achtbeinigen Nymphe häuten. Bei der braunen Hundezecke bevorzugen alle Entwicklungsstadien den Hund als Wirt. Die ca. 1 mm grosse Nymphe von Auwaldzecke und Holzbock befällt auch grössere Warmblüter wie Fuchs, Igel oder Kaninchen. Die Nymphe saugt für 3 -5 Tage Blut und fällt dann ab. Nach 10 – 18 Wochen häutet sich die Nymphe von Holzbock und Auwaldzecke zur erwachsenen Zecke. Die Nymphe der braunen Hundezecke braucht dazu nur 3 – 5 Wochen. Die erwachsene, weibliche Zecke saugt für etwa 1 Woche am Wirt. Dabei findet in der Regel die Begattung statt. Wenn das Weibchen vollgesogen ist lässt es sich zu Boden fallen und beginnt mit der Eiablage.
Alle Zeckenstadien von Holzbock und Auwaldzecke sitzen auf dem Boden und auf Planzen und werden von vorbeikommenden Tieren und Menschen abgestreift. Dort suchen sie eine Stelle mit möglichst dünner Haut und verankern dort ihre Mundwerkzeuge zur Blutaufnahme. Die Zeckenstadien der braunen Hundezecke sitzen überall in der Wohnung oder dem Gebäude, in dem sich der Hund aufhält. Deshalb sollte zur Unterstützung der Bekämpfung mit einem starken Staubsauger gesaugt und danach der Staubbeutel entsorgt werden. Die braune Hundezecke befällt vor allem Hunde (Menschen eher selten) und schmarotzt dort in grosser Anzahl, was zu einem grösseren Blutverlust führen kann.
Die beste Vorsorge ist, den Hund nach jedem Spaziergang gründlich abzusuchen. Hat sich eine Zecke festgebissen, diese mit einer Zeckenzange sofort entfernen (Zecke möglichst nahe der Hautoberfläche erfassen). Ein Zerquetschen des Zeckenkörpers sollte unbedingt vermieden werden, da dort die erregerhaltigen Speicheldrüsen liegen. Nach dem Entfernen die Zecke unbedingt töten! Mittlerweile gibt es verschiedene Präperate, die einen Befall verhindern sollen. Welches davon für ihren Hund am besten geeignet ist, besprechen Sie bitte mit Ihrem Tierarzt. Allerdings ist die Bekämpfung von Zecken sehr kompliziert, da es ja keine Insekten, sondern Spinnentiere sind. D.h., die Mittel bewirken nur, dass trotz eines Stiches keine Erkrankung übertragen wird. Eine Übertragung der Krankheitserreger erfolgt oft erst nach 1 – 2 Tagen. Durch die Mittel fallen die Zecken ab, bevor Krankheitserreger übertragen werden können.
Durch einen Holzbockbiss kann auf den Menschen FSME (Hirnhautentzündung) übertragen werden sowie Lyme-Borreliose auf Menschen und auf Hunde. Eine Zeckenstichallergie kann durch Holzbock, Auwaldzecke und auch durch die braune Hundezecke ausgelöst werden. Babesiose (Babesia canis) wird durch die braune Hundezecke oder durch die Auwaldzecke übertragen. Ehrlichiose (Ehrlichia canis) durch die braune Hundezecke. Eine Impfung des Hundes gegen die Lyme-Borreliose ist möglich.
Hier noch ein paar Infos bezüglich Zecken:
Zecken besitzen keine Lunge. Ihre Atmungsorgane nennt man Tracheen. Das sind winzige Öffnungen im Körper, die hinter den Beinen angebracht sind (je nach Zeckenart an unterschiedlichen Beinpaaren). Durch die Anspannung der Muskeln in Bereich der Tracheen wird Luft eingeleitet und der Gasaustausch zur Atmung findet direkt über die einströmende Luft statt. In einem WC oder Kinderplanschbecken würden Zecken, besonders wenn sie durch fortlaufende Wasserbewegungen unter Wasser geraten bald ertrinken, da anstelle von Luft Wasser in die Tracheen gelangen würde. Daher werden auch Zecken auf Kleidungsstücken in der Waschmaschine sicher abgetötet.
Werden Zecken versehentlich verschluckt, so können sie sich während des Schluckvorganges nicht festsetzen. Im Magen angekommen sorgt die Magensäure für einen ausreichenden Schutz – die Zecke stirbt und wird verdaut.
Kranheitserreger können nur auf Menschen oder Tiere übertragen werden, wenn diese in die Blutbahn gelangen.
In diesem Sinn – eine schöne Frühlingszeit, ohne allzuviel Zeckengetier!
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